Preisträger*innen des Right Livelihood Award 2021 mobilisieren Gemeinschaften gegen Gewalt und Klimawandel

Press releases 29.09.2021

Die diesjährigen Preisträger*innen des Right Livelihood Award stehen fest: Vier Changemaker*innen aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien erhalten den Preis als Ehrung für ihren außergewöhnlichen und mutigen Einsatz für die Rechte von Frauen und Mädchen und indigener Völker sowie den Klimaschutz. Die Preisträger*innen eint der Ansatz, lokale Gemeinschaften erfolgreich zu stärken und zu mobilisieren.

Die Arbeit der Aktivist*innen aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien sind ein Beleg dafür, dass nachhaltige Veränderung möglich ist, wenn Gemeinschaften zusammenstehen. Vor dem Hintergrund der Klimakrise, mächtiger Regierungs- und Unternehmensinteressen und sogar terroristischer Bedrohung beweisen die Preisträger*innen des Jahres 2021, dass Solidarität der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für alle ist.

Die Preisträger*innen 2021 sind:

Marthe Wandou (Kamerun) „für die Schaffung eines Modells des gemeindebasierten Kinderschutzes angesichts terroristischer Übergriffe und geschlechtsspezifischer Gewalt in der Tschadseeregion in Kamerun“;

Wladimir Sliwjak (Russland) „für seinen langjährigen Einsatz für den Umweltschutz und dafür, dass er den zivilen Widerstand gegen die Kohle- und Atomindustrie in Russland zu gestärkt hat“;

Freda Huson (Volk der Wet’suwet’en, Kanada) „für ihren furchtlosen Einsatz in der Rückeroberung der Kultur ihres Volkes und die Verteidigung ihres Landes gegen verheerende Pipeline-Projekte“;

und

Legal Initiative for Forest and Environment (Indien) „für ihre innovative juristische Arbeit, mit der sie Gemeinden in Indien beim Schutz ihrer natürlichen Ressourcen und in ihrem Einsatz für eine ökologische Demokratie unterstützen.“

„Die Right Livelihood Preisträger*innen 2021 sind unerschrockene Mobilisierer*innen, die zeigen, was Graswurzelbewegungen bewirken können“, sagte Ole von Uexküll, Direktor von Right Livelihood.

„Angesichts eskalierender Klima- und Umweltkrisen, Gewalt und eklatanter Menschenrechtsverletzungen setzen sich die Preisträger*innen durch Solidarität und gezielte Organisation erfolgreich für eine bessere Zukunft ein. Diese Aktivist*innen leisten nicht nur Widerstand, sondern mobilisieren ganze Gemeinschaften, ihre Rechte einzufordern: Sie werden zu Akteur*innen des Wandels, wo Regierungen versagen“, fügte von Uexküll hinzu.

Seit 1980 ehrt und unterstützt Right Livelihood couragierte Menschen, die sich den größten Herausforderungen unserer Zeit stellen. Jede*r der vier Preisträger*innen erhält ein Preisgeld von 1 Million SEK (rund 100.000 EUR bzw. 115.000 USD). Neben dem Preisgeld ist die Auszeichnung mit langfristiger Unterstützung verbunden, um die Arbeit der Preisträger*innen zu fördern und sichtbarer zu machen.

Im Jahr 2021 waren 206 Personen und Organisationen aus 89 Ländern für den Right Livelihod Award nominiert – so viele wie noch nie. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören Edward Snowden (USA), Dr. Denis Mukwege (DRK), Greta Thunberg (Schweden) sowie Ales Bialiatski gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum Viasna (Belarus).

Die Preisträger*innen des Jahres 2021 werden am Mittwoch, dem 1. Dezember, im Rahmen einer Live-Veranstaltung in Stockholm geehrt.

 

Bitte beachten Sie auch unser aktualisiertes Logo! Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Pressemappe.

Weitere Informationen zu den Preisträger*innen finden Sie hier.

Fotos und Videos der neuen Preisträger*innen können Sie hier heruntergeladen.

 

Kurzbiografien der Preisträger*innen 2021

Marthe Wandou (Kamerun)

Die Juristin Marthe Wandou ist Gender- und Friedensaktivistin. Sie setzt sich seit den 1990er-Jahren für die Prävention und Bekämpfung sexueller Gewalt gegen Kinder, insbesondere gegen Mädchen, sowie für die Betreuung der Überlebenden solcher Gewalt ein. 1998 gründete Wandou die Organisation Action Locale pour un Développement Participatif et Autogéré (ALDEPA) und engagiert sich seitdem für das Wohlergehen von Mädchen. Der ganzheitliche Ansatz der Organisation umfasst Bildung, psychosoziale Betreuung und rechtlichen Beistand.

Mehr als 50.000 Mädchen haben bisher von der Arbeit von ALDEPA profitiert, diese gründet auf der Mobilisierung ganzer Gemeinschaften und bezieht ganz gezielt Eltern, Kinder und führende Gemeindevertreter*innen ein. Die Organisation hat dazu beigetragen, den Brauch der Kinderehe nach und nach zurückzudrängen. Darüber fördert sie Schul- und Lebenskompetenzen von Kindern und Fortbildungen von Menschen, die im Kinderschutz tätig sind. In Fällen von Vergewaltigung, Entführung und körperlicher Gewalt unterstützt ALDEPA Familien in Verfahren zur Strafverfolgung.

Wandou betrachtet psychosoziale Unterstützung als entscheidenden Bestandteil in der Bewältigung von Traumata und der Wiedereingliederung von Überlebenden sexueller Gewalt. Dies spielt eine besondere Rolle in Wandous Arbeit mit Flüchtlingen und Binnenvertriebenen infolge der Übergriffe der Extremistengruppe Boko Haram in der Region Hoher Norden im Kamerun.

In einem Umfeld, das von menschenrechtsverletzenden kulturellen Praktiken und existentieller Unsicherheit geprägt ist, übernimmt Wandou eine couragierte Führungsrolle im Kampf gegen sexuelle Gewalt und für das Wohlergehen von Mädchen und Frauen in Kamerun und im Tschadbecken.

Wandou ist die erste Person aus Kamerun, die den Right Livelihood Award erhält.

Biografische Angaben:
Geburtsort: Kaélé, Kamerun
Geburtsdatum: 15. Oktober 1963
Ausbildung: Universität Yaoundé (License Privatrecht), Katholische Universität Zentralafrika (Master Projektmanagement), Universität Antwerpen, Belgien (Gender Studies)
Website: aldepa-cameroun.org

Zitat von Marthe Wandou

„Der Right Livelihood Award bestärkt uns darin, unsere Arbeit fortzusetzen. Er wird uns auch helfen, unsere Sichtbarkeit zu erhöhen und mehr Menschen zu erreichen, die wir dazu aufrufen, sich uns anzuschließen, um die Opfer zu unterstützen und die Rechte von Frauen und Kindern zu stärken.“

 

Wladimir Sliwjak (Russland)

Wladimir Sliwjak ist einer der engagiertesten und fachkundigsten Umweltschützer*innen Russlands. Er steht seit Jahrzehnten an der Spitze bedeutender zivilgesellschaftlicher Kampagnen gegen umweltschädliche Praktiken. Sliwjak hat Projekte zum Abbau fossiler Brennstoffe, zur Nutzung von Kernkraft und Kohle sowie zur Verbringung radioaktiver Abfälle aus dem Ausland gestoppt.

Als Co-Vorsitzender und Mitbegründer von Ecodefense, einer der seit Jahrzehnten führenden Umweltorganisationen Russlands, arbeitet Sliwjak intensiv an der Eindämmung von Umweltrisiken, der Entschärfung der Klimakrise und der Förderung erneuerbarer Energien in Russland.

Unter der Leitung von Sliwjak startete Ecodefense 2013 als erste russische Umweltorganisation eine Anti-Kohle-Kampagne. Diese trug dazu bei, Gemeinden vor Ort zu stärken, die unter den Auswirkungen des Kohleabbaus und -transports leiden. Die Vernetzung und der Wissensaustausch lokaler Gemeinden im ganzen Land führten zu etlichen weiteren Anti-Kohle-Protesten in verschiedenen Teilen Russlands.

Auch gegen die Förderung der Kernenergie durch Russland im In- und Ausland hat sich Sliwjak zur Wehr gesetzt. Diese enormen Erfolge haben bewiesen, dass selbst im autoritären Russland zivilgesellschaftliche Initiativen staatlich unterstützten Projekten wirksam etwas entgegensetzen können.

In den vergangenen Jahren sind Sliwjak und Ecodefense wegen ihrer Arbeit ins Visier der russischen Behörden geraten. Ermutigt durch den wachsenden Einfluss junger Klimaaktivist*innen hat Sliwjak seinen Kurs dennoch beibehalten. Gemeinsam mit ihnen setzt er sich für eine sauberere und nachhaltige Zukunft in Russland und weltweit ein.

Biografische Angaben:
Geburtsort: Kaliningrad, Russland (damalige UdSSR)
Geburtsdatum: 30. Juli 1973
Website: ecodefense.ru

Zitat von Wladimir Sliwjak

„Ich habe mein Leben der Umweltschutzbewegung gewidmet und es ist eine besondere Ehre für mich, eine Auszeichnung wie diese zu erhalten. Der Right Livelihood Award stellt mehr Mittel für die Arbeit zum Schutz der Umwelt und der Menschenrechte zur Verfügung, die meine Organisation leistet.“

 

Freda Huson (Volk der Wet’suwet’en, Kanada)

Freda Huson ist ein weibliches Oberhaupt (Dzeke ze’) der Wet’suwet’en in Kanada. Als führende Persönlichkeit macht sie sich dafür stark, dass indigene Gemeinschaften sich wieder mit ihrem Land verbinden und die Kontrolle darüber zurückerlangen – dazu gehört auch die Entscheidung über Bauprojekte wie Pipelines, die durch ihre Gebiete verlaufen.

In dem Bewusstsein, wie bedeutsam es ist, auf angestammtem Land zu leben, zog Huson 2010 in eine Blockhütte auf dem Territorium ihres Volkes in Talbeetskwa, am Morice River in British Columbia. Seitdem ist sie die Koordinatorin des Unist’ot’en-Camps, zu dem inzwischen auch ein Zentrum gehört, dass sich der Heilung kolonialer Traumata widmet.

Das Unist’ot’en-Camp ist heute der wichtigste Anlaufpunkt für Menschen, die sich gegen den Bau der Coastal GasLink-Pipeline wehren. Die Pipeline soll Schiefergas durch Britisch-Kolumbien leiten. Eine Razzia der kanadischen Behörden an einem Kontrollpunkt, der zu dem Camp führt, löste im Jahr 2020 landesweite Proteste aus. Husons Aktionen haben das Pipelineprojekt zwar um Jahre zurückgeworfen, es ist jedoch nach wie vor im Bau.

Husons ganzheitlicher Ansatz, mit dem die Kultur und das Land der indigenen Bevölkerung zurückgewonnen und deren Rechte durchgesetzt werden sollen, steht in krassem Gegensatz zu den grausamen Verbrechen an indigenen Völkern in Kanada, die in den vergangenen Monaten vermehrt aufgedeckt wurden. Indem sie indigene Menschen wieder mit ihrem angestammten Land verbunden hat, hat Huson entscheidende kulturelle Erneuerungsprozesse angestoßen.

Biografische Angaben
Geburtsort: Smithers, British Columbia, Kanada
Geburtsdatum: 24. Mai 1964
Ausbildung: Zertifikat Betriebswirtschaftslehre
Webseite: unistoten.camp

Zitat von Freda Huson

„Die Arbeit, für die ich ausgezeichnet werde, besteht darin, Menschen das nahezubringen, was wir von klein auf lernen: das Land zu schützen, das uns ernährt. Für mein Volk bedeutet diese Auszeichnung, dass wir noch mehr erreichen können, wenn wir uns mit vielen anderen auf der ganzen Welt zusammentun, die das gleiche Ziel verfolgen: unser Land zu schützen, die Umwelt zu schützen und dafür zu sorgen, dass Menschen gerecht behandelt werden.“

 

Legal Initiative for Forest and Environment (Indien)

Die Organisation Legal Initiative for Forest and Environment (LIFE) nutzt kreative juristische Mittel und Verfahren für mehr Umweltschutz. LIFE unterstützt und befähigt lokale Gemeinden, sich gegen übermächtige Interessen zu wehren und Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung zu erlangen. Gleichzeitig dienen die Verfahren dazu, juristische Institutionen zu stärken und Gesetze zu reformieren.

Die Rechtsanwälte Ritwick Dutta und Rahul Choudhary gründeten LIFE 2005 im Bewusstsein um den unzureichenden Zugang zu Rechtsmitteln im Umweltschutzbereich. Heute gehören die Jurist*innen der Organisation zu den führenden Anwält*innen für Klagen im Namen der Allgemeinheit (Public Interest Litigation) in Indien. LIFE hat Gemeinden in Indien dabei unterstützt, sich gegen Vorhaben zur Wehr zu setzen, die zu den größten Bedrohungen für die Umwelt zählen, etwa dem unrechtmäßigen Bau umweltschädlicher Anlagen oder die Abholzung von Wäldern. Die Verursacher*innen industrieller Umweltverschmutzungen mussten für die Schäden an der Umwelt und der öffentlichen Gesundheit Entschädigungen zahlen.

Einer der ersten Erfolge von LIFE war ein Verfahren gegen das britische Bergbauunternehmen Vedanta im Bundesstaat Odisha, das als Präzedenzfall gilt. Der Oberste Gerichtshof Indiens urteilte, dass für den Start eines solchen Projekts die Zustimmung der örtlichen Gemeinde erforderlich ist.

Seitdem hat sich LIFE unermüdlich gegen einflussreiche Interessen, die das Wohlergehen von Mensch und Natur bedrohen, zur Wehr gesetzt und damit für den besseren Schutz der Umwelt in verschiedenen Gemeinden in ganz Indien gesorgt.

Informationen
Sitz: Neu-Delhi, Indien
Gegründet: 2005
Website: thelifeindia.org.in

Zitat von LIFE-Gründer Ritwick Dutta

„Wir sind hellauf begeistert, dass uns der Right Livelihood Award verliehen wurde. Es ist unser erster internationaler Preis und bedeutet uns und all den lokalen Gruppen in Indien, die wir unterstützen, sehr viel. Der Preis wird uns helfen, die Wirksamkeit unserer Arbeit zu erhöhen und mehr Menschen dabei zu unterstützen, die Natur und ihre Lebensgrundlagen zu schützen.“

 

Über Right Livelihood

Seit 1980 ehrt und unterstützt Right Livelihood couragierte Menschen, die sich den größten Herausforderungen unserer Zeit stellen. Unter dem Dach einer Stiftung angesiedelt, bildet Right Livelihood eine unerschrockene Gemeinschaft, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit für alle einsetzt.

Jedes Jahr ehrt Right Livelihood Personen und Organisationen, die mutig voranschreiten. 186 Preisträger*innen aus 73 Ländern haben die Auszeichnung bisher erhalten. Auf diese Weise schafft Right Livelihood ein weltweites, stetig wachsendes Netzwerk engagierter Visionär*innen und fördert dringend anstehende sowie langfristige gesellschaftliche Veränderungen.

Denn die Arbeit von Right Livelihood geht weit über die Verleihung eines Preises hinaus: Die Organisation begleitet die Changemaker*innen ein Leben lang und wirkt als Sprachrohr und Schutzschild für die Preisträger*innen: Sie verschafft ihnen Gehör, steht an ihrer Seite, wenn ihr Leben und ihre Freiheit in Gefahr sind, und trägt ihre innovativen Lösungsansätze in die Öffentlichkeit.

Der Hauptsitz von Right Livelihood befindet sich in Stockholm, mit Niederlassungen in Genf und Zürich. Die Stiftung verfügt über den besonderen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.

Media contacts

Mikaela Fredrikson

Multimedia & Copyright

E-mail: mikaela.fredrikson@rightlivelihood.org
Phone: +46 (0)70 407 0325

Emoke Bebiak

English, French & International Media

E-mail: emoke.bebiak@rightlivelihood.org
Phone: +41 (0)78 333 84 84

Nayla Azzinnari

Spanish Media

E-mail: nayla@rightlivelihood.org
Phone: +54 9 11 5460 9860

Nina Tesenfitz

German Media

E-mail: presse@rightlivelihood.org
Phone: +49 (0)170 5763 663

Johannes Mosskin

Swedish Media

E-mail: johannes@rightlivelihood.org
Phone: +46 (0)70 437 11 48